Was ich hab





Ich hab fünf Finger an meinen zwei Händen, hab, einen Ring an dem einen, einen geschenkten.

Ich hab Kopfhörer in den Ohren, doch lass' niemanden singen;
ich hör sowieso lieber die Vögelein klingen.

Ich hab zwei Augen die in die Welt schauen, krieg' manchmal verbal auf die Fresse gehauen.

Ich hab den Willen dann doch wieder aufzustehen und dann noch sehr viel gerader zu gehen.

Ich hab Glück, denn ich habe schon ein schönes Leben
und muss nicht so sehr nach diesem Glück streben.

Ich hab ausgeschlafen, könnte man meinen, dabei war ich nachts doch bloß noch am Schreiben.

Ich hab Zeit, nicht unendlich aber immerhin ein wenig, hab Angst zu verlieren,
was mich so beschäftigt.

Ich hab Familie, Freunde, die mich stützen im Leben, und die mir jeder einzelne so viel Halt geben.

Ich hab alles was zählt und nichts zu verlieren, lange genug so gequält und doch so geblieben.

Aber manchmal, da hab ich gar nichts, da bin ich ganz allein.
Nichts ist so grausam, wie's manchmal scheint; das, fällt mir nicht ein.

Denn, ich hab Freunde, Familie, Leute, die mich mögen und kann so, die meiste Zeit einfach loslegen.

Denn, ich hab Zeit, Zeit, Fehler zu begehen und anderen ihre auch noch zu vergeben.

Denn, ich hab ausgeschlafen, heute mal wirklich, hab endlich verstanden, müde sein hilft nicht.

Denn, ich hab Glück, als Mensch auf dieser Welt zu leben, ich glaube,
dass wir solche Gedanken zu oft verlegen.

Denn, ich hab den Willen nicht zu stoppen zu sein. Hau mir verbal doch vielleicht noch eine rein.

Denn, ich hab zwei Ohren, die in die Welt hören, die Geräusche um mich rum,
wollen mich doch nur stören.

Denn, ich hab Kopfhörer in den Ohren, höre Musik, nur was ich seh' ist was ich mitkrieg'.

Denn, ich hab Schuhe an den Füßen, geh meinen Weg, bleibe nicht stehen, so weit es auch geht.

Denn, ich hab alles was zählt und bin nicht zu halten,
alles selbst ausgewählt und nicht zu zerspalten.

Julia Binder, 2016