Kopfdeich





Der Deich.
Eine mehr oder minder hässliche graue Wand aus Steinen und den sogenannten Wellenbrechern,
welche gleichzeitig als unbequeme Sitzgelegenheit für möchtegern Melancholiker,
ach so romantische Pärchen und saufende Schülergruppen fungieren.

Ich gebe zu, auch ich bin einer dieser melancholischen Romantiker und doch rege ich mich immer wieder über diese Leute auf, die ihren ach so tollen Partner beim Sonnenuntergang fast aufessen.

Von den Menschen vergessen ist jedoch die Tatsache, dass der Deich uns bei Fluten davor schützt, dass die Stadt vollläuft wie eine Badewanne.

Manchmal wünsche ich mir einen Deich für meinen Kopf beziehungsweise für meine Gedanken.

Es reicht, vielleicht brauch' ich einen Kopfdeich weil mir das Leben zu Kopf steigt.

Wie ein reißender Fluss strömen sie über das Ufer des erträglichen und füllen meinen Kopf
eben wie eine Badewanne.

Wichtiges treibt oben, weniger wichtiges zwar weiter unten, aber dennoch weit genug oben damit viel zu viel davon in meinen Kopf laufen kann.

Es reicht, vielleicht brauch' ich einen Kopfdeich, weil mir das Leben zu Kopf steigt.

Ein Kopfdeich würde nur das wichtigste durchlassen, das Wasser würde sich beruhigen und ich könnte mich endlich wieder ordnen.

Vieles aus den unteren Schichten des Wassers aus den ist ziemlich verdreckt vom Sand der Gesellschaft und den Menschen um mich rum,
dieser würde einfach am Deich hängenbleiben; ich könnte mich endlich auf die Schaumkronen des Lebens konzentrieren, die weißen Berge des wütenden Gedankenstroms.

Es reicht, vielleicht brauch' ich einen Kopfdeich weil mir das Leben zu Kopf steigt.

Ein Kopfdeich, eine mehr oder minder schöne bunte Wand aus bemalten Steinen mit Bildern,
welche aber durch den Sand nicht mehr erkennbar sind,
und auch den sogenannten Wellenbrechern, dem einzigen Fleck ohne Sand,
nur erkennbar, wenn die Gedanken mal eine Pause machen,
der Fluss nicht über die Ufer tritt, und Ebbe herrscht.

Ja, es reicht, vielleicht brauch' ich einen Kopfdeich, weil mir das Leben zu Kopf steigt.

Doch, wenn es an meinem Deich auch Wellenbrecher gibt, sitzen dann dort auch diese
melancholischen Romantiker-Partytrinker,über die ich mich so aufrege?

Wenn ich so darüber nachdenke ist ein Kopfdeich vielleicht doch keine so gute Idee!

Lisa Rasch, 2015