Text von Kathie Dankowski und Jenni Steinbrenner





Liebes Meer,
Was denkst du dir?

Spielst uns ein schönes Gesicht vor.
Lässt uns entspannen, bringst uns zur Ruhe, hast immer ein offenes Ohr für uns.
Du bringst uns zur Freude, verbündest dich mit der Sonne und ziehst uns in deinen Bann.
Doch vertrauen wir dir, zeigst du uns dein wahres Gesicht.
Du ziehst uns in die größten Wellen und in die schlimmsten Fluten.
Zerstörst unsre‘ Freude und nimmst uns unsere Freunde.
Bringst uns sie nicht wieder und lässt uns trauernd zurück.
Du schluckst sie ein und lässt sie nicht wieder frei.

Liebes Meer,
Sag uns, was soll das?
Was denkst du dir?
Bringt es dir Freude, uns leiden zu sehen, uns an der Nase herumzuführen?

(Darauf antwortet das Meer)

Nein, das bin nicht ich.
Der Mond und der Wind zwingen und verändern mich.
Ich muss mich ihnen fügen und komme und gehe in Schüben.
Sie biegen mich gegen den eigenen Willen, und wollen bloß ihre Bedürfnisse stillen.
Ihnen ist es egal, wie es mir dabei geht, auch wenn man vor ihnen auf Knien fleht.
So sind sie doch unberechenbar, das ist doch offensichtlich klar!

Lass dich nicht von anderen beeinflussen, die meinen stärker und besser zu sein als Du.
Bleib dir selbst treu!

Kathie Dankowski und Jenni Steinbrenner, 2015